Diese Reality-Show ist trashig – und ihr schaut sie trotzdem alle
Gekünstelte Tränen, dramatische Schnitte und Rosen, die für hitzige Diskussionen sorgen: Ein Streaming-Dating-Format hat die Schweiz fest im Griff. Eine augenzwinkernde Abrechnung mit unserem schlechten Gewissen.

Geben wir es zu: Wir wissen genau, dass diese Show trashig ist. Die Dialoge sind gestellt, die Tränen verdächtig fotogen und die Wendungen so vorhersehbar wie der nächste Regentag. Und trotzdem klicken wir Folge um Folge weiter. Ein Streaming-Dating-Format hat es geschafft, dass die halbe Schweiz heimlich mitfiebert – und sich dabei ein bisschen schämt.
Das Geheimnis des guten schlechten Geschmacks
Warum tun wir uns das an? Ganz einfach: Trash-TV ist die perfekte Pause vom Alltag. Man muss nicht mitdenken, nicht aufpassen, nicht klüger werden. Man darf einfach zuschauen, wie sich fremde Menschen in absurden Situationen blamieren – und sich dabei wunderbar überlegen fühlen. Es ist Fastfood fürs Gehirn, und manchmal schmeckt genau das am besten.
Besonders clever: Das Format weiss ganz genau, dass wir es durchschauen. Es spielt mit unserem Augenzwinkern, übertreibt mit voller Absicht und macht den Trash zum Programm. Wer sich darüber lustig macht, ist längst Teil des Spiels.

Der Gruppenchat als zweite Tonspur
Das eigentliche Erlebnis spielt sich gar nicht auf dem Bildschirm ab, sondern im Gruppenchat. Während die Kandidaten dramatische Rosen verteilen, fliegen daneben die Sprachnachrichten. Jede Pointe wird kommentiert, jeder Streit live verhandelt, jede peinliche Szene mit Lach-Emojis bombardiert. Gemeinsam ist das schlechte Programm plötzlich richtig gut.
- Gestellte Dialoge, die wir trotzdem zitieren
- Dramatische Schnitte exakt vor der Werbepause
- Ein Gruppenchat, der lauter ist als der Ton
- Das wohlige Gefühl, klüger zu sein als alle im Bild
“Ich schaue das nur ironisch – sage ich seit drei Staffeln.”
— Eine Zuschauerin aus Basel
Schämen erlaubt – aufhören verboten
Natürlich könnten wir die Zeit sinnvoller nutzen. Ein gutes Buch, ein Spaziergang, ein anspruchsvoller Dokumentarfilm. Aber mal ehrlich: Nach einer langen Woche will man nicht denken, man will abschalten. Und genau das liefert dieses Format mit beneidenswerter Zuverlässigkeit.
Also ja, es ist Trash. Es ist gestellt, übertrieben und völlig unnötig. Und nein, wir hören trotzdem nicht auf. Vielleicht ist das die ehrlichste Liebeserklärung, die man einer Reality-Show machen kann. Wir sehen uns nach der nächsten Folge wieder – im Gruppenchat.
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